Bergkristalle mit Adular

Im Frühling 2011 und zwar am 22. Mai gelang uns wieder ein Glücksgriff in Sachen Mineralienbergung.

Mein Bruder Norbert war diesmal alleine in unserer gewohnten Umgebung in der wir schon öfters Mineralienklüfte öffnen konnten unterwegs, und konnte auch nach einiger Stemmarbeit an einer großen Quarzader einen Hohlraum öffnen. An diesem Quarz hatten wir uns schon öfters versucht aber leider ohne Erfolg, doch diesmal war es anders.

Da dieses Loch eher wie das Kluftende aussah und sich der Quarz noch weiter nach vorne zog, wurde dieser dann von uns gemeinsam freigelegt, und wir konnten die Lasse von vorne und von der Seite öffnen. Der erste Deckel war gleich eine große Kristallspitze und soweit man einsehen konnte lagen die Bergkristalle kreuz und quer zwischen Adularstufen und Calciten.

Wir konnten Kristall um Kristall mit einer außerordentlich hohen Qualität aus der Kluft heben, der längste hatte ca. 35 cm. Es folgten die Adularstufen mit teils korrodierten aufgewachsenen Bergkristallen, Rutil, Ilmenit und Anatas. Die Kluft war im mittleren Teil etwas verstürzt und die Kristalle verkanteten sich leicht daher war es eine knifflige Angelegenheit die losen Mineralien unverletzt aus dem Gesteinsverband zu lösen. Und auch der Kluftboden machte es uns nicht so einfach da immer wieder langsam Wasser in die Kluft eindrang und einen See bildete den wir mittels Wasserschlauch immer wieder leeren mussten. Im hinteren Teil verengte sich die Mineralienkluft und barg noch ein sehr schönes Bergkristallkreuz auf Adularmatrix.

Am Ende hatte der Klufthohlraum die Ausmaße von ca. 50 cm x 60 cm x 250 cm. Die Kluft lieferte Bergkristalle bis zu einer Größe von 35 cm, Adularstufen bis ca. 30 cm, Calcite mit ca. 5 cm, Rutil, Anatas, Ilmenit ein Scheelit mit 2,5cm und das erstmals in dieser Gegend nachgewiesene Mineral Phenakit.

Bergkristalle 1

Nach einigen Seilgängen am 16. Juli 2011 in einer Felswand konnten wir wiedermal eine offene Kluft endtecken in der sich kleinere Bergkristallstufen mit Periklin befanden. Da die Kluft schon ziemlich ausgefallen war befanden sich die meisten Kristalle im vorderen Bereich kurz vorm Absturz ins nichts. Daher ist es immer wieder wichtig das die Kristalle und Mineralien geborgen und der Nachwelt erhalten bleiben, da sie sonst von der Natur wieder zerstört werden.

Argentiere Glacier / Frankreich

Im August sahen wir uns mal eine andere Gegend an und zwar waren wir am Argentiere Glacier in Frankreich und unser Quatier befand sich in der Refuge d´ Argentiere. Wir konnten dort auch einige schöne Rauchquarze bergen.

Bergkristalle 2

Als wir wiedermal am 21. August 2011 in einer Felswand unterwegs waren konnten wir eine offene Kluft endtecken die einige kleinere Bergkristalle enthielt.

Bergkristalle 3

Nach einem schon sehr erfolgreichen Sommer 2011 konnten wir auch noch im Herbst im Sonnblickgebiet des Raurisertals zwei schöne Klüfte öffnen.

Am 3. Oktober suchte ich mit meinem Hund Samy eine verdächtige Stelle ab, die wir schon eine Woche zuvor entdeckt hatten. An einem kleinen Hangrutsch sah ich auch gleich dass eine schöne Quarzader frei geworden war. Ich stieg also zur verdächtigten Stelle, und da waren auch schon erste Anzeichen von Flächen am Quarzband zu sehen. Mit meinem Pickel schlug ich ein paar mal darauf und der sauste gleich in einen Hohlraum wo sich ein großes finsteres Loch auftat.

Ich schaute hinein und sah nur Lehm und einige Wurzeln sonst nichts. Ich dachte mir schon, das es wieder eine dieser leeren Klüfte sei die ich schon mehrmals erfolglos geöffnet hatte.

Aber nach langer Grabungsarbeit sah ich plötzlich am Boden etwas glitzern, dann eine große Fläche, etwa ein Kristall oder nur ein Bruchstück dachte ich so bei mir und tatsächlich war es ein ca. 20 cm großer Bergkristall. Nach und nach kamen auch noch kleinere, ca. 10 bis 15 cm große Kristalle und kleinere Perikline zum Vorschein. Die Freude war groß und Samy war auch schon in Aufbruchsstimmung, also machten wir uns mit vollem Rucksack auf den Heimweg.
Am nächsten Tag stiegen ich und mein Bruder Norbert zur Fundstelle auf und wir räumten die Kluft sorgfältig leer. Es kamen immer wieder einzelne Spitzen zum Vorschein, aber nicht allzu viele waren perfekt erhalten, doch die Qualität war vom feinsten. Die Kluft hatte danach die Ausmaße von ca. 50 cm x 80 cm x 220 cm. Da   wir immer wieder auf dem Lehm abwärts hineinkriechen mussten, und dann auch noch das Wasser in die Kluft floss, stritten wir uns nicht unbedingt darum, wer die Kristalle bergen darf.
Als die Kluft leer und die Rucksäcke voll waren, sahen wir uns die Gegend noch mal genauer an und entdeckten ca. 50 m tiefer noch eine weitere Quarzader am Felsen. Nach näherer Betrachtung und kurzer Stemmarbeit sauste der Meisel hinein und es tat sich ein Hohlraum auf. Etwa wieder eine Kluft?
Ja, wie in einem Bilderbuch enthielt auch diese ebenfalls sehr schöne Bergkristalle und hatte die Ausmaße von ca. 20 cm x 50 cm x 50 cm. Jetzt hatte jeder genug zum tragen, und wir machten uns schwer beladen auf den Heimweg.

Mit diesem Fund konnten wir die Saison 2011 erfolgreich beenden, da der Winter wieder ins Land zog und die Berge einschneite. Nun geht´s zum anderen Teil des Stoasuachn´s und zwar ans Reinigen der gefundenen Mineralien und Kristalle.


Die erste Kluft vom 03.Oktober 2011


Die zweite Kluft vom 04.Oktober 2011


Dieser Fundbericht ist auch in der Ausgabe der
MINERALIEN-Welt 2/2012 (März-April)